Bis Anfang dieser Woche war ich noch geneigt, sie im Wesentlichen als eine von den Medien geschürte Massenpsychose abzutun, denn irgenwie wollten sich keine spürbaren Krisenfolgen in meinem Geschäft einstellen.
Bis auf den Lkw-Hersteller Kamaz und ein paar Banken schien die russische Realwirtschaft überhaupt nicht betroffen. Eventuell noch ein paar Handelsketten, denen die Kreditlinien gesperrt wurden und die deshalb ihren Einkauf zurückfahren mussten. Rohstoffproduzenten, deren abgestürzte Aktienkurse ihre Marktkapitalisierung und damit Kreditwürdigkeit gegen Null fahren ließen. Immobilienmakler, die wegen zunehmender Restriktionen bei der Hypothekenfinanzierung Kunden und Geschäft einbüßten. Autohändler, bei denen die Showrooms leer blieben, weil potenzielle Käufer keine Kredite mehr bekamen. Selbst ein eilig beschlossenes Gesetz, mit dem die Putin-Regierung private Bankeinlagen bis 700.000 Rubel (ca. 20.000 Euro) garantiert, wollte bei mir keine rechte Krisenstimmung aufkommen lassen.
Seit heute ist das anders. In meiner Firma wachsen seit dieser Woche nur noch die Lagerbestände und überfälligen Forderungen. Der Absatz ist eingebrochen, weil die Kunden kein Geld mehr haben. Wir sind mittendrin.
Doch im Unterschied zu vor zehn Jahren ist da eine unerklärliche Zuversicht, dass es diesmal glimpflich abgeht - dass die Kurse wieder anziehen, die Banken wieder Kredite geben, die Kunden wieder kaufen.
Und erste Anzeichen gibt es tatsächlich: Der Rubel hält sich tapfer gegenüber dem Dollar, auch wenn ihm stundenweise die Luft ausgeht, und der RTS (der russische DAX) bewegt sich mehrheitlich im hellgrünen Bereich.
Es bleibt eine gewisse Nervosität…
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