Im Mittelpunkt steht der Mensch

Im Mittelpunkt steht der Mensch

Das zentrale und für den Geschäftserfolg in Russland entscheidende Thema sind die richtigen Mitarbeiter. In mehr als einem Jahrzehnt Personalführung vor Ort habe ich eine sehr große Anzahl russischer Mitarbeiter rekrutiert, interviewt, eingestellt und auch entlassen. Ich gehe nicht so weit zu sagen, dass meine Erfahrungen allgemeingültig sind. Allein aufgrund der Vielzahl der Vorgänge, sprich Mitarbeiter, die über die Jahre “durch meine Hände” gingen, und der weitgehenden Kongruenz meiner Beobachtungen mit denen anderer Expats in Führungsverantwortung halte ich sie zumindest zu einem erheblichen Teil für verallgemeinerbar.

Der große kleine Unterschied

Es kommt immer wieder vor, dass ich von Russen gefragt werde, worin sie sich denn meiner Meinung nach von Deutschen unterschieden. Und jedes Mal ertappe ich mich dabei, dass ich keine fertige Antwort parat habe. Das mag daran liegen, dass ich mir selbst diese Frage zu selten gestellt habe. Meistens flüchte ich mich dann in unverbindliche Formeln wie

“Lasst uns doch die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund stellen”

oder so ähnlich. Natürlich findet man, wenn man sich in die Frage vertieft, Unterschiede - auch gravierende - zwischen Russen und Deutschen, und einige liegen ja quasi an der Oberfläche. Für russiaBLUE habe ich das Thema dann doch einmal aufbereitet. Was dabei herausgekommen ist, lesen Sie unter » “Russen und Deutsche“.

Seminare sind ja ganz nett

Im täglichen Miteinader spielen für mich akademische Erwägungen zu interkulturellen Unterschieden eigentlich keine Rolle.

Das hat auch damit zu tun, dass ich 1996 nicht völlig Russland- und Russenunerfahren hier eintraf. Aber auch für den Manager ohne einschlägige Vorerfahrung sind all die schönen Seminartheorien wertlos, wenn er nicht bereit ist, sich weitgehend auf das Land und seine Menschen einzulassen. Wer hier nach sechs Monaten den menschlichen Zugang zu seinen Mitarbeitern nicht findet, kann sich noch so mühen, er wird scheitern. Und das gilt ja auch nicht nur für Russland.

Aufeinander zugehen

Wenn ich einen Rat geben müsste, würde ich sagen, gehen Sie möglichst unvoreingenommen auf die Leute zu.

Vermeiden Sie als Chef Besserwisserei und Überlegenheitsattitüde, damit sich die Mitarbeiter nicht auf die für sie bequeme Rolle des Befehlsempfängers zurückziehen.

Russische Mitarbeiter haben ihre Besonderheiten. Nicht alle sind gravierend. Oft liegen sie in Details, Nuancen und auf den ersten Blick Nebensächlichem. Ich finde es bis heute spannend, diese Dinge zu entdecken und, wo möglich, bewußt zu nutzen.


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1 Kommentar »

  1. Boris Taslakov meint:

    Genau !

    Es geht um das was man als “kulturelle Intelligenz” bezeichnet. Deren 4 Etappen sind, wenn man sie einmal durchlaufen und sich zueigen gemacht hat, eine gewisse Garantie für eine eher positive Beziehung zu Mitarbeitern oder Kollegen.

    Deutsche sind hier z. B. weit im Vorteil gegenüber der französischen Kultur, die zu egozentrisch ist um effiziente Beziehungen zu anderen Kulturen zu schaffen.

    Boris

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