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	<title>russiaBLUE - Russland Business Weblog Blogazine und Seminar</title>
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	<pubDate>Sat, 11 Apr 2009 09:33:35 +0000</pubDate>
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		<title>Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Feb 2009 14:36:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe-Jens Karl</dc:creator>
		
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Dieses dem Gr&#252;nder der Sowjetunion, Wladimir Iljitsch Lenin, zugeschriebene Zitat (&#8221;Доверяй, но проверяй!&#8221;) hat auch im modernen Russland nichts von seiner G&#252;ltigkeit verloren. Oder genauer: Bestimmte Verhaltensmuster der Russen, aus denen der Berufsrevolution&#228;r seinerzeit sein Kontrollpostulat hergeleitet haben k&#246;nnte, beobachtet man auch fast hundert Jahre sp&#228;ter noch. Dass ich dieses Thema unter &#8220;Mitarbeiterf&#252;hrung&#8221; abhandle, hei&#223;t [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><center><script type="text/javascript"><!--
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Dieses dem Gr&#252;nder der Sowjetunion, Wladimir Iljitsch Lenin, zugeschriebene Zitat (&#8221;Доверяй, но проверяй!&#8221;) hat auch im modernen Russland nichts von seiner G&#252;ltigkeit verloren. Oder genauer: Bestimmte Verhaltensmuster der Russen, aus denen der Berufsrevolution&#228;r seinerzeit sein Kontrollpostulat hergeleitet haben k&#246;nnte, beobachtet man auch fast hundert Jahre sp&#228;ter noch. Dass ich dieses Thema unter &#8220;Mitarbeiterf&#252;hrung&#8221; abhandle, hei&#223;t dann auch nichts anderes, als dass in diesem Bereich eine fein justierte Balance aus Vertrauen und Kontrolle besonders wichtig ist. Auch im Kapitel &#8220;Kundenbeziehungen&#8221; gehe ich auf diesen Aspekt ein.</p>
<p><strong>Die normative Kraft des schlechten Vorbilds</strong></p>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=ostportalde&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;asins=386618042X&#038;fc1=000000&#038;IS2=1&#038;lt1=_blank&#038;m=amazon&#038;lc1=0000FF&#038;bc1=FFFFFF&#038;bg1=FFFFFF&#038;f=ifr" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="left"></iframe>Als im August 1998 das russische Finanz- und Bankensystem zusammenbrach und der russische Staat sich f&#252;r zahlungsunf&#228;hig erkl&#228;rte und die Bedienung seiner Verbindlichkeiten einstellte, nahmen das auch zahlreiche meiner Kunden zum Anlass, ihrerseits keine Zahlungen f&#252;r erhaltene Ware mehr zu leisten. Es kam zu einer generellen Zahlungskrise, die lawinenartig die gesamte russische Wirtschaft erfasste und zahlreiche ausl&#228;ndische Lieferanten auf riesigen Forderungen zur&#252;cklie&#223;. Dieses Beispiel soll illustrieren, wie schnell in Russland Vorbilder &#252;bernommen und zur Norm werden k&#246;nnen, auch oder besonders, wenn sie eigentlich rechtlich und ethisch fragw&#252;rdig sind. Nicht wenige dieser angeblich bankrotten ehemaligen Kunden stiegen schon kurz darauf mit neuen, stattlichen Gesch&#228;ften wie Phoenix aus der Asche. Mit Startkapital aus den &#8220;abgeschriebenen&#8221; Verbindlichkeiten.</p>
<p>In meinen ersten Jahren in Moskau irritierte mich regelm&#228;&#223;ig die Selbstverst&#228;ndlichkeit, mit der meine Mitarbeiter davon sprachen, wie sich die russischen Staatsbeamten unter Ausnutzung ihrer Position hemmunglos bereicherten. &#8220;Die stehlen, wo sie k&#246;nnen&#8221; (&#8221;Воруют где только могут&#8221;), lautete die einfache Formel. Sp&#228;ter habe ich mich zu dieser historisch belegbaren Tradition belesen und aufgeh&#246;rt mich zu wundern. Auch sind ausufernde Korruption und Amtsmissbrauch heute Themen aus der Rubrik &#8220;Russischer Alltag&#8221;. Worauf ich hinaus will, ist auch hier die normative Wirkung solcher allt&#228;glichen Vorbilder auf den Normalverbraucher und damit potenziell auf die eigenen Mitarbeiter.</p>
<p>Ich erinnere mich an einen Kandidaten f&#252;r die Position Regionalverkaufsleiter Nordwest, den ich seinerzeit in meiner Funktion als Vertriebsleiter von Cadbury Russland zu interviewen hatte. Dieser lebhafte und wortgewandte Herr von Mitte Drei&#223;ig fuhr in einem Mercedes E-Klasse vor und stellte auch sonst jede Menge teure Accessoires zur Schau. Weil die Position aber weit unterhalb von E-Klasse, Mont Blanc und Co. dotiert war, stellte ich ihm die Frage, was denn der wichtigste Grund sei, aus dem wir gerade ihn einstellen sollten. Seine Antwort lautete: &#8220;Ich habe schon alles, ich brauche nicht mehr zu stehlen.&#8221;.</p>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=ostportalde&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;asins=359335912X&#038;fc1=000000&#038;IS2=1&#038;lt1=_blank&#038;m=amazon&#038;lc1=0000FF&#038;bc1=FFFFFF&#038;bg1=FFFFFF&#038;f=ifr" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="left"></iframe>Besonders gerne und viel wird in den Marketingabteilungen gro&#223;er Firmen geklaut. Das reicht von einfachen Kick-backs (&#8221;откаты&#8221;) bis hin zur Umleitung kompletter Budgets auf Privatkonten. W&#228;hrend meiner Zeit bei Cadbury mussten wir uns von einer Marketingmanagerin trennen, die &#252;ber Jahre 15 Prozent ihrer Budgets von einer Agentur auf ihr privates Konto &#252;berwiesen bekam. Von Ferrero Russland wurde einst bekannt, dass von der Marketingabteilung Mediaschaltungen von TV-Reklame in H&#246;he von 10 Millionen Euro abgerechnet wurden, sich jedoch nur knapp 2 Millionen nachvollziehbar messen lie&#223;en. Die Differenz wird auch hier auf Privatkonten vermutet. Und von einem langj&#228;hrigen Freund, einem ehemaligen Vertriebsleiter eines Moskauer S&#252;&#223;warenunternehmens, wei&#223; ich, dass auch dort das Personal der Marketingabteilung alle zwei Jahre abtauchte und zusammen mit ihm der gr&#246;&#223;ere Teil des Marketing-Budgets. Seinen letzten Vorgesetzten, der in seiner Vorverwendung Einkaufsleiter in einer Milizbeh&#246;rde gewesen sei, h&#228;tte er &#252;berhaupt nur einmal zu Gesicht bekommen. Diese Begegnung sei ihm f&#252;r immer in Erinnerung geblieben wegen der einzigen klaren Aufgabenstellung: &#8220;Du sorgst f&#252;r die Kick-backs; 60 f&#252;r mich 40 f&#252;r Dich!&#8221;. Mein Freund f&#228;hrt nach seinem Ausscheiden jetzt einen 100 000 Dollar teuren Audi A6 Allroad.</p>
<p>In der Tat zahlen Kunden auch heute noch - wie zu Sowjetzeiten - f&#252;r gefragte Waren um die 2 Prozent &#8220;Verg&#252;tung&#8221; an den Verk&#228;ufer daf&#252;r, dass sie regelm&#228;&#223;ig beliefert werden. Verkehrte russische Welt.</p>
<p>Die Aufz&#228;hlung von Beispielen lie&#223;e sich fortsetzen. Ich will das an der Stelle aus Gr&#252;nden der Ausgewogenheit nicht tun. Denn es gibt auch in Russland Firmen, die im Gro&#223;en und Ganzen ohne derartige Makel leben. Bitte beachten Sie die einschr&#228;nkende Formulierung. </p>
<blockquote><p>Sie bedeutet, dass auch im Russland des Jahres 2009 die langfristig erfolgreiche F&#252;hrung eines Gesch&#228;ftes ohne die eine oder andere pragmatische Regelauslegung so realistisch ist wie die unbefleckte Empf&#228;ngnis.</p></blockquote>
<p>Ich nehme heute als gegeben hin, dass russische Mitarbeiter ein anderes Unrechtsbewu&#223;tsein haben als ich. </p>
<blockquote><p>Eine Gesellschaft, deren politische, wirtschaftliche und kulturelle Eliten ihre Raffke-Mentalit&#228;t t&#228;glich ungeniert vorleben, bringt zwangsl&#228;ufig grenzwertige Einstellungen und Verhaltensweisen hervor.</p></blockquote>
<p>Wenn deutsche Medien an harten Tatsachen vorrechnen w&#252;rden, dass der Bundeskanzler mehr Geld ausgibt als sein Sal&#228;r erlaubt, w&#252;rde das irgendwann zu R&#252;cktrittsforderungen f&#252;hren. Wenn hingegen russische Medien vorrechnen, dass die Patek Philippe am Handgelenk des Pr&#228;sidenten exakt dessen Jahresgehalt wert ist, passiert gar nichts. Ebenso folgenlos l&#228;sst sich der Moskauer Oberb&#252;rgermeister in seinem privaten Maybach durch die Hauptstadt chauffieren, obwohl er sein Gehalt selbst mit gerade mal 5000 Dollar monatlich angibt.</p>
<p><strong>&#8220;Solange sie mich nicht kriegen, bin ich auch kein Dieb&#8221;</strong></p>
<p>Diese Einstellung (&#8221;Не пойман - не вор&#8221;) kommt also nicht von ungef&#228;hr und ist im Russland von heute aktueller denn je. Sie bedeutet, dass Stehlen an sich nichts Schlimmes ist, wenn man sich nicht erwischen l&#228;sst. Und in einer Firma, in der t&#228;glich mit materiellen Werten und Geld umgegangen wird, kann sie zum Problem werden. W&#228;hrend meiner Zeit bei Piasten und sp&#228;ter bei Cadbury sorgte der firmeneigene Sicherheitsdienst f&#252;r die Unterbindung von Diebst&#228;hlen und Nebengesch&#228;ften. Wichtig in solchen Konzepten war und ist immer das Beispiel der Leitung. Wenn also Taschen und Kofferr&#228;ume beim Verlassen des Betriebsgel&#228;ndes kontrolliert wurden, dann galt das ganz selbstverst&#228;ndlich auch f&#252;r die Gesch&#228;ftsf&#252;hrer. </p>
<blockquote><p>Generell muss in der Firma eine Atmosph&#228;re herrschen und auch von der Leitung gelebt werden, die einen Mitarbeiter gar nicht auf die Idee kommen l&#228;sst zu manipulieren.</p></blockquote>
<p>Auf Anraten des Sicherheitsmanagers habe ich auch schon mal das private Umfeld eines Kandidaten f&#252;r eine F&#252;hrungsposition abchecken lassen, um Risiken auszuschlie&#223;en. Die letzte Sicherheit gibt einem aber auch das nicht. Ohne Vertrauensvorschuss geht es nicht, auch wenn der schon mal in einer Entt&#228;uschung enden kann. Transparente, d.h. f&#252;r die Mitarbeiter verst&#228;ndliche, und konsequent angewandte Kontrollmechanismen sind mitentscheidend, aber auch kein Allheilmittel. Ich habe gelernt, mit dem Einfallsreichtum der Mitarbeiter im Umgehen und Aushebeln von Vorschriften zu rechnen.</p>
<p><strong>Stabilit&#228;t zahlt sich aus</strong></p>
<p>An anderer Stelle war hier schon von Job-Hopping und hoher Fluktuation die Rede. Auch wenn die Ursachen daf&#252;r anders gelagert sind, haben diese Erscheinungen eine hohe Relevanz f&#252;r die Korrektheit der Abl&#228;ufe im Gesch&#228;ft. St&#228;ndige Mitarbeiterwechsel, insbesondere in verantwortlichen Positionen, untergraben die besten Corporate Gouvernance Guidelines. </p>
<blockquote><p>F&#252;r ein besseres Verst&#228;ndnis dieser Aussage ist es wichtig zu wissen, dass sich russische Menschen in ihrem Verhalten weniger von Regeln und Vorschriften als von pers&#246;nlichen Beziehungen und Vereinbarungen leiten lassen.</p></blockquote>
<p>Die Bindung eines Mitarbeiters an seine Firma ist langfristig eine zutiefst emotionale. Identifikation und Motivation entspringen bei ihm weniger abstrakt formulierten Zielen und Leits&#228;tzen, sondern der als angenehm empfundenen Interaktion mit Kollegen und Vorgesetzten. Am l&#228;ngsten h&#228;lt man in der Regel die Mitarbeiter, die in der Firma ein &#8220;zweites Zuhause&#8221; sehen und dieses Gut h&#246;her wichten als ein besseres Gehalt anderenorts. Die aus solcher Stabilit&#228;t gewonnene belastbare Loyalit&#228;t ist von ernormem Wert und nicht weniger wichtig als permanente Kontrolle.</p>
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		<title>Du siehst doch, dass ich nicht kann!</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Feb 2009 12:48:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Boris Blogitsch</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Featured Articles]]></category>

		<category><![CDATA[Leben in Russland]]></category>

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		<description><![CDATA[



Mal ehrlich - woran denken wir, wenn wir in Deutschland davon h&#246;ren, dass in Russland mal wieder ein Flugzeug abgest&#252;rzt ist? &#8220;Blo&#223; nie nach Russland fliegen&#8221;, &#8220;alte, klapprige Flugzeuge&#8221;, &#8220;besoffene Piloten&#8221; - ist doch so, oder? Ich jedenfalls habe das oft zu h&#246;ren bekommen, und genauso oft mit dem Argument &#8220;klassisches Vorurteil&#8221; versucht dagegenzuhalten.
Das auch [...]]]></description>
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Mal ehrlich - woran denken wir, wenn wir in Deutschland davon h&#246;ren, dass in Russland mal wieder ein Flugzeug abgest&#252;rzt ist? &#8220;Blo&#223; nie nach Russland fliegen&#8221;, &#8220;alte, klapprige Flugzeuge&#8221;, &#8220;besoffene Piloten&#8221; - ist doch so, oder? Ich jedenfalls habe das oft zu h&#246;ren bekommen, und genauso oft mit dem Argument &#8220;klassisches Vorurteil&#8221; versucht dagegenzuhalten.</p>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=ostportalde&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;asins=3765470449&#038;fc1=000000&#038;IS2=1&#038;lt1=_blank&#038;m=amazon&#038;lc1=0000FF&#038;bc1=FFFFFF&#038;bg1=FFFFFF&#038;f=ifr" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="left"></iframe>Das auch noch, als ich schon etliche Jahre in Russland verbracht und viele Flugstunden in russischen Flugzeugen absolviert hatte und wissen musste, welcher Schrott da mitunter von russischen Startbahnen abhebt. Bisher ist es immer gut gegangen, mag ich gedacht haben, und auch anderswo st&#252;rzen Flugzeuge ab. Selbst als mir vertrauensw&#252;rdige Mitarbeiter allen Ernstes berichteten, dass sie Piloten nach der Landung lallend haben aus dem Cockpit wanken sehen, war ich mindestens skeptisch - so etwas gibt es nicht mal in Russland, war meine &#220;berzeugung.</p>
<p>Dann war da noch dieser Zwischenfall in Rostow, als unser Flug nach Moskau sich um mehrere Stunden verz&#246;gerte. Zusammen mit meinem Mitarbeiter verbrachte ich die Wartezeit in einem Stra&#223;encafé gegen&#252;ber dem Flughafen. Wenige Tische weiter vergn&#252;gte sich eine komplette Flugzeugbesatzung - nach Feierabend, wie ich meinte. Der geneigte Leser ahnt schon, was jetzt kommt. Tats&#228;chlich handelte es sich um unsere Besatzung, die dann sp&#228;ter auch mit uns und einigem Klamauk die Sicherheitskontrollen im Business-Bereich zu passieren versuchte. Zumindest einen der Piloten lie&#223; man nicht durch, denn er war, f&#252;r jedermann ersichtlich, total betrunken. Wahrscheinlich wurde dann die ganze Crew komplett ausgetauscht, denn keinen der Damen und Herren sah ich anschlie&#223;end auf dem Flug. Wie dem auch sei - mein Grundvertrauen in die russische Flugsicherheit konnte auch dieses Erlebnis nicht nachhaltig ersch&#252;ttern.</p>
<p>Neulich kam es in Perm, im n&#246;rdlichen Ural, zu einem Aufsehen erregenden Zwischenfall. Eine Boeing 737 von Aeroflot-Nord mit 88 Passagieren an Bord st&#252;rzte im Landeanflug ab. Niemand &#252;berlebte das Ungl&#252;ck. An Bord war ein Mensch, mit dem ich vor Jahren mal zu tun hatte. Die Zeitungen schrieben &#252;ber ihn. Wahrscheinlich deshalb habe ich alle Meldungen zum Hergang und zur Aufkl&#228;rung der Ursachen besonders aufmerksam verfolgt. Erw&#228;hnenswert &#252;brigens die Offenheit, mit der russische Medien &#252;ber die Katastrophe und das ganze Drumherum berichteten. Zum Beispiel wurde bekannt, dass zwei Milizangeh&#246;rige zu Haftstrafen verurteilt wurden, weil sie mit den bei den Absturzleichen sichergestellten Wertsachen einen schwunghaften Handel aufgezogen hatten.</p>
<p>Bemerkenswert indes auch die Entstehung des Ungl&#252;cks in der Darstellung der Medien. Zun&#228;chst hie&#223; es, kein Wunder, die zw&#246;lf Jahre alte Boeing sei kurz zuvor von einer chinesischen Airline &#252;bernommen worden und in einem entsprechend desolaten technischen Zustand gewesen. Sie musste quasi abst&#252;rzen. Das schreibe ich auf einem Flug nach Irkutsk in einer Boeing 767, die ihre besten Jahre im Sultanat Brunei bereits hinter sich hat und nun bei S7 ihr Gnadenbrot frisst. Ich gebe zu, dass mich die Monitoreinblendungen &#8220;Royal Brunei&#8221; mit nachmaliger schematischer Darstellung der geografischen Lage von Mekka zur aktuellen Position des Flugzeuges irritieren.</p>
<p>Zur&#252;ck zum Ungl&#252;cksflug Moskau-Perm. Es gab tats&#228;chlich eine Untersuchungskommission, die den Ungl&#252;ckshergang u.a. anhand der Flugschreiberaufzeichnungen zu analysieren hatte. Deren vorl&#228;ufiger Abschlussbericht jagte mir dann schon einen Schauer &#252;ber den R&#252;cken. Die Boeing befand sich im Endanflug auf Perm, als sie vom Tower aufgefordert wurde, abzubrechen und neu anzufliegen, weil eine Lufthansa-Maschine mit Vorrang zum Start rollte. </p>
<blockquote><p>Dass dieses Ereignis mit dem &#8220;Ausl&#228;nder&#8221; dann zum Ausl&#246;ser der fatalen, zum Absturz f&#252;hrenden Ereigniskette qualifiziert wurde, sei nur am Rande erw&#228;hnt. Es macht sich in russischen Kausalit&#228;tsdarstellungen immer gut, einen &#8220;fernen Schuldigen&#8221; zu haben.</p></blockquote>
<p>Jedenfalls mussten die beiden Piloten des Ungl&#252;cksfluges ihre zuvor im Bordcomputer gespeicherte automatische Landung abbrechen und von Hand neu anfliegen. An der Stelle bringt die Untersuchungskommission einen ersch&#252;tternden Fakt: Der Kapit&#228;n &#252;bergibt die Handsteuerung an den Co-Piloten, der gerade etwas mehr als 200 Flugstunden auf dem Ger&#228;t hatte. Dessen erste Handlung - mehr Schub auf alle Triebwerke - bringt das Flugzeug dann auch aus unerkl&#228;rlichem Grund in eine gef&#228;hrliche Schr&#228;glage. Nur - im Cockpit ist man sich - drau&#223;en herrscht Dunkelheit - nicht einig zu welcher Seite. Sie lesen richtig - beide Piloten streiten dar&#252;ber, ob sie nach links oder rechts abdriften. Das wiederum wird damit erkl&#228;rt, dass Flugzeuge westlicher Bauart einen k&#252;nstlichen Horizont haben, auf dem das Flugzeug still steht und sich der Horizont neigt, w&#228;hrend sich in russischen Maschinen ein Flugzeug vor dem Horizont hin und her bewegt. In der Folge ger&#228;t die Maschine ins Trudeln und st&#252;rzt ab.</p>
<p>Ein wichtiger Punkt in den Untersuchungsunterlagen ist die Feststellung, dass im Gewebe des Flugkapit&#228;ns bei dessen Obduktion Alkohol nachgewiesen wurde, was noch nichts hei&#223;en muss. Die Aufzeichnungen der Cockpitgespr&#228;che auf dem Flugschreiber indes geben einen Flugkapit&#228;n wieder, der gedehnt und lallend an seinen z&#246;gernden Ersten Offizier &#252;bergibt mit den Worten: &#8220;Du siehst doch, dass ich nicht kann&#8230;&#8221;</p>
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		<title>Russen und Deutsche</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Dec 2008 11:49:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe-Jens Karl</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Personalführung]]></category>

		<category><![CDATA[charakter]]></category>

		<category><![CDATA[mentalität]]></category>

		<category><![CDATA[mitarbeiter]]></category>

		<category><![CDATA[personal]]></category>

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Man kann es nun wenden, wie man will, es gibt sie die Unterschiede zwischen Deutschen und Russen. Jenseits theoretischer Betrachtungen und vor allem abseits von Klischees und Vorurteilen versuche ich im Folgenden, meine interkulturellen Beobachtungen als rein empirisches Wissen zusammenzufassen.
Subjektiv aber sachlich
Ich habe Vergleichsstudien gelesen, bei denen die Russen gegen&#252;ber den Deutschen immer irgendwie schlecht [...]]]></description>
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Man kann es nun wenden, wie man will, es gibt sie die Unterschiede zwischen Deutschen und Russen. Jenseits theoretischer Betrachtungen und vor allem abseits von Klischees und Vorurteilen versuche ich im Folgenden, meine interkulturellen Beobachtungen als rein empirisches Wissen zusammenzufassen.</p>
<p><strong>Subjektiv aber sachlich</strong></p>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=russiablue-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;asins=3937992049&#038;fc1=000000&#038;IS2=1&#038;lt1=_blank&#038;m=amazon&#038;lc1=0000FF&#038;bc1=FFFFFF&#038;bg1=FFFFFF&#038;f=ifr" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="left"></iframe>Ich habe Vergleichsstudien gelesen, bei denen die Russen gegen&#252;ber den Deutschen immer irgendwie schlecht wegkamen. Das m&#246;chte ich vermeiden, indem ich den positiven bzw. negativen Eigenschaften der Deutschen auch ebensolche Eigenschaften der Russen gegen&#252;berstelle. Weiterhin werde ich Deutsche und Russen nicht vollst&#228;ndig beschreiben, sondern mich auf die Unterschiede beschr&#228;nken, die mir besonders auff&#228;llig erscheinen. Und schlie&#223;lich will ich einr&#228;umen, dass es nat&#252;rlich in beiden V&#246;lkern Individuen gibt, auf die die Beschreibungen der jeweils anderen Nation durchaus zutreffen. Insofern beziehen sich meine Darstellungen auf eine von mir subjektiv als solche wahrgenommene Schnittmenge typischer nationaler Eigenschaften.</p>
<p><strong>Warum sind die Russen, wie sie sind?</strong></p>
<p>Diese Fragestellung w&#252;rde einem Russen nie in den Sinn kommen. Und schon sind wir bei einem Punkt, der uns unterscheidet: Die Russen neigen dazu, die Dinge hinzunehmen; wir Deutschen dagegen m&#252;ssen immer alles hinterfragen. Oft h&#246;rt man, die endlose Weite des Landes und das teils unwirtliche Klima Russlands seien pr&#228;gend f&#252;r den russischen Nationalcharakter, der verschwenderisch mit Zeit und Raum umgehe, derb und verschlossen sei und immer finster dreinblicke. Das ist jedoch viel zu einfach und obendrein unlogisch. Denn in diesen beiden Punkten steht z.B. Kanada Russland in nichts nach. Soweit ich wei&#223;, gelten Kanadier aber als freundlich und aufgeschlossen.</p>
<p><strong>Pr&#228;gende Beengtheit</strong></p>
<p>Lassen Sie mich der Weite des russischen Landes einmal die Enge der russischen Behausungen entgegensetzen. Ich finde, hieraus resultieren deutlich mehr Besonderheiten der Russen. Was ich damit meine? Nun, bis heute leben in den gro&#223;en St&#228;dten tausende Familien zusammengepfercht in sogenannten Kommunalwohnungen (&#8221;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunalka" target="_new">коммуналки</a>&#8220;). Das sind Unterk&#252;nfte, in denen drei, vier und mehr Familien sich eine K&#252;che und ein Bad teilen und ansonsten jeweils ein Zimmer der Gemeinschaftswohnung f&#252;r sich haben. Oft leben dann in diesem Raum Gro&#223;eltern, Eltern und Kinder auf vielleicht 20 Quadratmetern zusammen. Das ist f&#252;r uns unvorstellbar, aber immer noch Realit&#228;t f&#252;r viele Russen. Es hat sich zwar in den letzten Jahren einiges verbessert. Aber auch die eigene Wohnung ist in den meisten russischen Haushalten nicht gr&#246;&#223;er als 40-50 Quadratmeter mit zwei Zimmern f&#252;r die ganze Familie.</p>
<p><strong>Tischmanieren und Distanz</strong></p>
<p>Wenn wir dann russische Menschen beim Essen beobachten, wie sie eine Hand immer unter dem Tisch halten, wirkt das auf uns wie schlechte Tischsitten. Aber nur in dieser platzsparenden Haltung passen drei Generationen an den kleinen Esstisch in einer 6-Quadratmeter-K&#252;che. Die Beengtheiten des t&#228;glichen Lebens setzen sich auch au&#223;erhalb der eigenen vier W&#228;nde fort, etwa in den chronisch &#252;berf&#252;llten U-Bahnen, Wartezimmern oder Beh&#246;rdenfluren. Letztlich stehen sich die Russen in ihrem gr&#246;&#223;ten Land der Welt seit Generationen gegenseitig auf den F&#252;&#223;en herum. Das konnte nicht ohne Folgen f&#252;r ihr Distanz- und Diskretionsgef&#252;hl bleiben. Wer wie ich seine pers&#246;nliche Abstandszone nach europ&#228;ischen Ma&#223;st&#228;ben dimensioniert hat, wird in Russland immer wieder in unangenehme Situationen geraten, etwa wenn einem beim Ausf&#252;llen von &#220;berweisungen am Postschalter ganz selbstverst&#228;ndlich &#252;ber die Schulter geschaut wird oder einem beim Einchecken am Flughafen der Hintermann schwer in den Nacken atmet.</p>
<p><strong>Gedr&#228;nge in der Moskauer Metro</strong></p>
<p><object width="425" height="344"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/L-u4gz098GM&#038;color1=0xb1b1b1&#038;color2=0xcfcfcf&#038;hl=en&#038;feature=player_embedded&#038;fs=1"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/L-u4gz098GM&#038;color1=0xb1b1b1&#038;color2=0xcfcfcf&#038;hl=en&#038;feature=player_embedded&#038;fs=1" type="application/x-shockwave-flash" allowfullscreen="true" width="425" height="344"></embed></object></p>
<p><strong>Zusammenr&#252;cken und &#8220;Ellenbogengef&#252;hl&#8221;</strong></p>
<p>Die Kehrseite: Wohl kein Volk kann, wenn es sein muss, so eng zusammenr&#252;cken wie das russische. Und zwar im &#252;bertragenen wie im direkten Sinne. So entstehen die unterschiedlichsten positiven Befindlichkeiten, z.B. Gem&#252;tlichkeit, wenn auch der zehnte und zwanzigste &#252;berraschende Geburtstagsgast noch irgendwie ein Pl&#228;tzchen an der Tafel findet, Solidarit&#228;t bei Gefahr von au&#223;en oder das vielbeschworene &#8220;Ellenbogengef&#252;hl&#8221; (&#8221;чувство локтя&#8221;), wenn einem die direkte Tuchf&#252;hlung mit dem Nebenmann Sicherheit und Geborgenheit gibt.</p>
<p><strong>Hast du gegessen?</strong></p>
<p>Anders als in Deutschland mit seiner hektischen Fastfood-Kultur sind Essen und Trinken in Russland immer noch zentrale Werte des Alltags. Keine russische Mutter oder Ehefrau wird Kind oder Mann an der Haust&#252;re begr&#252;&#223;en, ohne zu fragen, ob es bzw. er gegessen oder Hunger hat. Kein Besuch ohne zumindest symbolische Bewirtung. Auch hier beobachte ich einen typischen Unterschied: W&#228;hrend wir Deutschen f&#252;r Fr&#252;hst&#252;ck, Mittagessen und Abendbrot ganz klare und fast national einheitliche zeitliche Zuordnungen haben, isst der Russe, wenn er Hunger hat. Nat&#252;rlich gibt es auch in Russland eine Mittagszeit - sie liegt &#252;blicherweise zwischen 13.00 und 15.00 Uhr. Sie ist aber nicht mehr als eine abstrakte Regel, an die man sich nicht halten muss. In der Konsequenz verletzen russische Menschen mitunter alles, was wir so an landl&#228;ufigen Ess-Konventionen entwickelt haben: Sie essen Eis auf der Stra&#223;e mitten im Winter, gehen mit der Bierflasche in der Hand morgens zur Arbeit und beginnen ein &#252;ppiges Mahl auch schon mal um zehn Uhr abends.</p>
<p><strong>Augen gr&#246;&#223;er als der Magen</strong></p>
<p>Wenn Deutsche G&#228;ste einladen, bemessen sie das Essen nach der Anzahl der erwarteten G&#228;ste. Wenn Russen zu Tisch bitten, tafeln sie auf, was K&#252;che und Keller hergeben. Meistens ist das viel zu viel und bleibt dann jede Menge &#252;brig. Russische Gastgeber dr&#252;cken damit zum einen ihre Wertsch&#228;tzung gegen&#252;ber den G&#228;sten aus und demonstrieren zum anderen stolz ihren Wohlstand. Genug oder gar im &#220;berfluss zu Essen zu haben war in Russland bis in die j&#252;ngere Geschichte nicht selbstverst&#228;ndlich. Und manchmal habe ich den Eindruck, die Angst vor einer kurzfristig drohenden Hungersnot steckt auch heute noch in jedem Russen. Zum Beispiel, wenn ich sie in Hotels oder bei Empf&#228;ngen an Buffets beobachte. Da wird mitunter auf die Teller geschaufelt, als w&#252;rde Essen ab morgen verboten. Ich kann verstehen, wenn Nichtrussen solches mit Vorbehalten registrieren.</p>
<p><strong>Ein trunkenes Volk regiert sich leichter</strong></p>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=russiablue-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;asins=3866344465&#038;fc1=000000&#038;IS2=1&#038;lt1=_blank&#038;m=amazon&#038;lc1=0000FF&#038;bc1=FFFFFF&#038;bg1=FFFFFF&#038;f=ifr" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="right"></iframe><em>&#8220;Пъяным народом легче управлять&#8221;</em>, soll schon <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Katharina_II." target="_new">Katharina II.</a> geglaubt haben. Was ich glaube ist, dass Alkohol und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Leibeigenschaft" target="_new">Leibeigenschaft</a> mitentscheidende historische Faktoren f&#252;r den nationalen Charakter der Russen sind bzw. waren. Bis 1861, als die Leibeigenschaft (<em>&#8220;крепостное право&#8221;</em>) abgeschafft wurde, bestand der kulturelle Jahresh&#246;hepunkt f&#252;r die leibeigenen Bauern in einem mehrt&#228;gigen Bes&#228;ufnis an Erntedank, zu dem die Gutsherren kostenlos Wodka in Eimern auf den Kirmestischen bereitstellen lie&#223;en. &#220;ber Jahrhunderte verharrte der P&#246;bel so in Suff und Knechtschaft. <iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=russiablue-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;asins=389848663X&#038;fc1=000000&#038;IS2=1&#038;lt1=_blank&#038;m=amazon&#038;lc1=0000FF&#038;bc1=FFFFFF&#038;bg1=FFFFFF&#038;f=ifr" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="left"></iframe>Mit Ausnahme einer kurzen Phase Mitte der 1980er Jahre, als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michail_Sergejewitsch_Gorbatschow" target="_new">Michail Gorbatschow</a> dem Alkoholproblem in der Sowjetunion mit rigiden Gesetzen beikommen wollte, war Wodka f&#252;r die Herrschenden immer billige Droge f&#252;r den Plebs und gigantische Einnahmequelle f&#252;r den Fiskus gleichzeitig. Statistisch trinkt heute jeder Einwohner Russlands vom Baby bis zum Greis pro Jahr 17 Liter reinen Alkohol oder je reichliche 100 Gramm (10 Zentiliter) Wodka (<em>&#8220;Сто грамм&#8221;</em>) pro Tag. Die Folgen dieses nationalen Alkoholismus sind etwa 500 000 Alkoholtote j&#228;hrlich und eine durchschnittliche Lebenserwartung bei M&#228;nnern von nur 59 Jahren. Viele nationale Eigenarten der Russen lassen sich wenigstens teilweise aus diesem Zusammenhang erkl&#228;ren.</p>
<p><strong>Vorw&#228;rts in die Vergangenheit</strong></p>
<p>Manchmal scheint mir, die Russen h&#228;tten &#252;berhaupt keine Vorstellung von ihrer Zukunft. Nicht nur, dass ihrem nationalen Charakter das Berechnende und Vorausschauende fehlt - sie haben auch keinerlei festes Bild von dem, was in f&#252;nf oder zehn Jahren sein soll. Sie leben das Heute mit dem Blick auf das Gestern. Was gestern war, ist konkret und fassbar. Was morgen wird, wei&#223; allein der Herrgott. </p>
<blockquote><p>Vorsorge treffen, sich auf Eventualit&#228;ten einstellen oder aktiv Dinge nach vorn beeinflussen - das alles sind f&#252;r die meisten russischen Menschen fremde Lebenseinstellungen.</p></blockquote>
<p>So bleiben der Sieg &#252;ber Deutschland im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Vaterl%C3%A4ndischer_Krieg" target="_new">Gro&#223;en Vaterl&#228;ndischen Krieg</a> oder der erste Raumflug <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Juri_Alexejewitsch_Gagarin" target="_new">Juri Gagarin</a>s nach &#252;ber sechzig bzw. fast f&#252;nfzig Jahren typische der wenigen Highlights, an denen Russland bisher seine nationale Gr&#246;&#223;e bemisst. Die Abwesenheit einer nationalstaatlichen Idee (vglb. Deutschland 2. H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts), einer &#252;bernationalen Integrationsperspektive (vglb. Europa 2. H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts) oder auch nur eines &#252;bergreifenden Wertesystems f&#252;hrte zu einer Art nationalem Minderwertigkeitskomplex, den sich der einfache B&#252;rger ebenso zueigen gemacht hat wie die staatliche Gro&#223;machtrhetorik zu dessen Bem&#228;ntelung.</p>
<p><strong>Erfolgskultur - Fehlanzeige</strong></p>
<p>Russen w&#252;nschen einander auf Schritt und Tritt Erfolg. &#8220;Успехов!&#8221; zum Geburtstag, zum Abschied oder als Gru&#223;formel in Briefen. Man k&#246;nnte meinen, dahinter stehe eine Leistungs- und Erfolgsmentatlit&#228;t wie bei uns Deutschen. Dem ist nicht so; und nirgendwo sp&#252;rt man dies schmerzlicher als im Gesch&#228;ftsleben. Wenn Deutsche sich etwas vornehmen, dann wird der Prozess bis zum Ziel durchgeplant. Etwaige Probleme werden vor dem Start identifiziert, um sie weitgehend auszuschlie&#223;en. Oft wird ein &#8220;Plan B&#8221; gleich mitkonzipiert. Das Resultat hier ist eine klare Linie zum Erfolg um den Preis einer gewissen Unflexibilit&#228;t. </p>
<blockquote><p>Wenn indes Russen etwas anfangen, dann haben sie oft nichts als eine vage Idee. In der Regel fehlen definierte Ziele ebenso wie ein irgendwie beschriebener Prozess, in dem das zwangsl&#228;ufig eintretende Unvorhersehbare dann nicht selten zu dominieren beginnt.</p></blockquote>
<p>Im Ergebnis werden sowohl Abl&#228;ufe als auch Ziele extrem &#8220;flexibilisiert&#8221; und Misserfolge vorprogrammiert. In der Gegen&#252;berstellung hei&#223;t das: Der Deutsche findet seinen Erfolg in der Erreichung seiner Ziele und der Russe findet seine Ziele in der &#220;berwindung seiner Misserfolge.</p>
<p><strong>Positiver Umgang mit dem Misserfolg</strong></p>
<p>Ich wei&#223;, das klingt hart, vielleicht ungerecht. Aber nach so vielen Jahren in &#252;berwiegend russischen Gesch&#228;ftsumgebungen konnte ich zu keinem anderen Schluss kommen als diesem. Er setzt auch nicht zwangsl&#228;ufig Russen herab und Deutsche herauf. Im Gegenteil. Ich bewundere die Russen f&#252;r ihre F&#228;higkeit, locker und positiv mit Misserfolgen umzugehen, sich zu sch&#252;tteln und sie einfach wegzustecken. Sie tun das mit oft sarkastischem Fatalismus und teils resignativer Schicksalsergebenheit. Ich deute sie als kulturhistorisch ererbte &#220;berlebenstechniken. Allerdings f&#252;hren die im Leben oft zu stoizistischen Einstellungen wie &#8220;Mensch denkt, Gott lenkt&#8221; (&#8221;<em>Человек предполагает, бог располагает&#8221;</em>). Und bringen sie damit mal ein Projekt vorw&#228;rts!</p>
<p><strong>Ausstrahlung im dialektischen Gegensatz</strong></p>
<p>Verschieden sind wir auch in unserer pers&#246;nlichen Ausstrahlung. Die besteht f&#252;r mich auf russischer Seite eher in W&#228;rme, Emotionalit&#228;t, Allgemeinheit, Introvertiertheit und defensivem Auftreten und auf deutscher Seite entsprechend eher in K&#228;lte, Rationalit&#228;t, Konkretheit, Extrovertiertheit und offensivem Auftreten. Deutsche und Russen stehen sich historisch m&#246;glicherweise deswegen so nahe, weil sie sich in dieser Gegens&#228;tzlichkeit irgendwie dialektisch erg&#228;nzen.</p>
<p><strong>Das strahlen wir aus</strong></p>
<blockquote><table width="100%">
<tr>
<td width="50%">Deutsche</td>
<td width="50%">Russen</td>
</tr>
<tr>
<td>
<li>K&#228;lte</li>
<li>Rationalit&#228;t</li>
<li>Konkretheit</li>
<li>Extrovertiertheit</li>
<li>Offensives Auftreten</li>
</td>
<td>
<li>W&#228;rme</li>
<li>Emotionalit&#228;t</li>
<li>Allgemeinheit</li>
<li>Introvertiertheit</li>
<li>Defensives Auftreten</li>
</td>
</tr>
</table>
</blockquote>
<p><strong>Korrekt aber kleinlich vs. gro&#223;z&#252;gig aber nachl&#228;ssig</strong></p>
<p>Um meine Sicht der nationalen Charaktere auf den Punkt zu bringen, habe ich f&#252;r beide V&#246;lker je f&#252;nf positive und negative, von mir als pr&#228;gend empfundene Eigenschaften gegen&#252;berstellt. Im positiven Bereich steht damit der eher korrekte, entschiedene, effiziente, verbindliche und pflichtbewusste Deutsche dem eher gro&#223;z&#252;gigen, langm&#252;tigen, ausdauernden, geselligen und solidarischen Russen gegen&#252;ber. Im negativen Bereich kontrastieren der eher kleinliche, gef&#252;hllose, ungeduldige, aufdringliche und egoistische Deutsche und der eher nachl&#228;ssige, gleichg&#252;ltige, umst&#228;ndliche, verschlossene und sich selbst &#252;bersch&#228;tzende Russe.</p>
<p><strong>Positive nationale Eigenschaften</strong></p>
<blockquote><table width="100%">
<tr>
<td width="50%">Deutsche</td>
<td width="50%">Russen</td>
</tr>
<tr>
<td>
<li>Korrektheit</li>
<li>Entschiedenheit</li>
<li>Effizienz</li>
<li>Verbindlichkeit</li>
<li>Pflichtbewusstsein</li>
</td>
<td>
<li>Gro&#223;z&#252;gigkeit</li>
<li>Langmut</li>
<li>Ausdauer</li>
<li>Geselligkeit</li>
<li>Solidarit&#228;t</li>
</td>
</tr>
</table>
</blockquote>
<p><strong>Negative nationale Eigenschaften</strong></p>
<blockquote><table width="100%">
<tr>
<td width="50%">Deutsche</td>
<td width="50%">Russen</td>
</tr>
<tr>
<td>
<li>Kleinlichkeit</li>
<li>Gef&#252;hllosigkeit</li>
<li>Ungeduld</li>
<li>Aufdringlichkeit</li>
<li>Egoismus</li>
</td>
<td>
<li>Nachl&#228;ssigkeit</li>
<li>Gleichg&#252;ltigkeit</li>
<li>Umst&#228;ndlichkeit</li>
<li>Verschlossenheit</li>
<li>Selbst&#252;bersch&#228;tzung</li>
</td>
</tr>
</table>
</blockquote>
<p><strong>Gut und schlecht sind gleich verteilt</strong></p>
<p>Bei genauerem Hinsehen wird dann auch deutlich, dass eben nicht der Eine alles Positive und der Andere alles Negative auf sich vereinigt. Sowohl auf der positiven als auch der negativen Ebene haben Deutsche und Russen sich Gleichwertiges entgegenzusetzen. Und in der &#220;ber-Kreuz-Gegen&#252;berstellung von Positivem und Negativem zeigen sich - Zufall oder nicht - erneut erstaunliche Korrelationen.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Vom zweifelhaften Nutzen eines roten Botschaftskennzeichens</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Dec 2008 15:01:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Boris Blogitsch</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Leben in Russland]]></category>

		<category><![CDATA[botschaft]]></category>

		<category><![CDATA[schule]]></category>

		<category><![CDATA[unfall]]></category>

		<category><![CDATA[verkehr]]></category>

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		<description><![CDATA[
Der Aufprall zweier menschlicher K&#246;rper hat diesen Porsche Cayenne so zugerichtet. Foto: Vesti

W&#228;re mir dieser schreckliche Unfall passiert, s&#228;&#223;e ich jetzt in der Zelle eines Moskauer Untersuchungsgef&#228;ngnisses. Die hei&#223;en hier СИЗО - следственный изолятор - und sind f&#252;r ihre unmenschlichen Haftbedingungen gef&#252;rchtet. Aus Angst vor diesem Grusel bewege ich mich m&#246;glichst unauff&#228;llig, besonders im chaotischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="image_block"><img src="http://h1089059.serverkompetenz.net/blogs1103/media/users/blogitsch/cayenne2.jpg" alt="" title="" width="200" height="150" align="left" hspace="5"/>
<div class="image_legend"><em>Der Aufprall zweier menschlicher K&#246;rper hat diesen Porsche Cayenne so zugerichtet. Foto: Vesti</em></div>
</div>
<p>W&#228;re mir dieser schreckliche Unfall passiert, s&#228;&#223;e ich jetzt in der Zelle eines Moskauer Untersuchungsgef&#228;ngnisses. Die hei&#223;en hier СИЗО - следственный изолятор - und sind f&#252;r ihre unmenschlichen Haftbedingungen gef&#252;rchtet. Aus Angst vor diesem Grusel bewege ich mich m&#246;glichst unauff&#228;llig, besonders im chaotischen Moskauer Stra&#223;enverkehr.</p>
<p>Das folgende Video zeigt, dass es einen auch mal v&#246;llig schuldlos treffen kann. Man muss es sich mehrmals anschauen, um zu erkennen, dass ein offenbar Lebensm&#252;der sich absichtlich vor ein Auto im flie&#223;enden Verkehr wirft. Ersch&#252;tternd f&#252;r mich die kollektive Teilnahmslosigkeit der an der roten Ampel wartenden Autofahrer und die lange Reaktionszeit der in unmittelbarer N&#228;he zum Unfallort (links unten) bereitstehenden zwei Milizfahrzeuge.</p>
<p><object width="425" height="344"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/OnVJWPqPd5c&#038;hl=de&#038;fs=1"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/OnVJWPqPd5c&#038;hl=de&#038;fs=1" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="344"></embed></object></p>
<p>Dennoch, </p>
<blockquote><p>in der Regel lassen Fu&#223;g&#228;nger auf Moskaus Stra&#223;en ihr Leben durch die Schuld r&#252;cksichtsloser Autofahrer. Statistisch gesehen tun sie das in unglaublichen 80 Prozent der F&#228;lle auf Fu&#223;g&#228;ngerschutzwegen - den klassischen Zebrastreifen.</p></blockquote>
<p> Hier ist es laut Statistik also besonders wahrscheinlich, von einem Auto &#252;berfahren zu werden.</p>
<p>Samstagnacht letzter Woche wurde diese grausame Regel zwei Moskauer Studenten von 18 und 19 Jahren zum Verh&#228;ngnis. Trotz Vollbremsung erfasste sie der Porsche Cayenne frontal mitten auf dem Zebrastreifen. Der Aufprall war von solcher Wucht, dass die beiden jungen M&#228;nner auf der Stelle tot waren und es dem Porsche den rechten Kotfl&#252;gel samt Scheinwerfer einfach wegriss.</p>
<p>Ich wette, nicht wenige Leser denken an dieser Stelle etwas wie &#8220;typisch neureicher Russe - besoffen am Steuer und dann die Leute totfahren&#8221;. Sie liegen in diesem Fall v&#246;llig daneben. Der 31j&#228;hrige Porschefahrer war deutscher Staatsb&#252;rger und bis zu diesem Moment Klassenlehrer einer zw&#246;lften Klasse an der Deutschen Schule Moskau. Die Unfallopfer h&#228;tten vom Alter her seine Sch&#252;ler gewesen sein k&#246;nnen. Auch deshalb wird er lange brauchen, das Ereignis zu verarbeiten.</p>
<p>Die zust&#228;ndige Moskauer Staatsanwaltschaft hat jetzt ein Untersuchungsverfahren nach Paragraph 264 Strafgesetzbuch &#8220;Fahrl&#228;ssigkeit im Stra&#223;enverkehr mit Todesfolge&#8221; eingeleitet. Bei T&#246;tung von zwei und mehr Menschen drohen hier bis zu sieben Jahre Haft.</p>
<div class="image_block"><img src="http://h1089059.serverkompetenz.net/blogs1103/media/users/blogitsch/kennzeichen1.jpg" alt="" title="" width="200" height="150" align="left" hspace="5"/>
<div class="image_legend"><em>Rote Kennzeichen stehen f&#252;r das diplomatische oder technische Corps von Auslandsvertretungen.</em></div>
</div>
<p>Freilich macht das Alexander und Andrej nicht wieder lebendig; ihren Hinterbliebenen jedoch w&#252;rde es wohl eine gewisse Genugtuung verschaffen. Allerdings k&#246;nnte ein nicht unwesentlicher Umstand verhindern, dass der deutsche Unfallfahrer &#252;berhaupt vor ein russisches Gericht gestellt wird: Der Porsche hatte ein rotes Botschaftskennzeichen, und die Kombination 002T &#8230; weist den Lehrer als Mitglied des technischen Corps der Deutschen Botschaft aus.</p>
<p>Es k&#246;nnte also sein, dass die Feststellung eines Immunit&#228;tsstatus dazu f&#252;hrt, dass nicht einmal Anklage erhoben und der ungl&#252;ckliche P&#228;dagoge, der jetzt in einer Sicherheitswohnung der Deutschen Botschaft untergebracht ist, mit etwas Gl&#252;ck einfach nach Deutschland abgeschoben wird. Irgendwie w&#252;nscht man ihm ja, dass ihm ein russischer Knast erspart bleibt. Und irgendwie fragt man sich doch: Vielleicht h&#228;tte er ohne &#8220;rote Nummer&#8221; am Fu&#223;g&#228;ngerschutzweg einfach angehalten. Dann w&#252;rden zwei junge Menschen heute noch leben.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Das M&#228;rchen von den hochqualifizierten Mitarbeitern</title>
		<link>http://www.russiablue.de/?p=31</link>
		<comments>http://www.russiablue.de/?p=31#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 21 Nov 2008 10:37:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe-Jens Karl</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Job und Business]]></category>

		<category><![CDATA[Personalführung]]></category>

		<category><![CDATA[führung]]></category>

		<category><![CDATA[karriere]]></category>

		<category><![CDATA[mitarbeiter]]></category>

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		<category><![CDATA[qualifikation]]></category>

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		<description><![CDATA[



Wann immer Festredner den Investitionsstandort Russland preisen, f&#252;hren sie den Standortfaktor &#8220;hervorragend ausgebildeter&#8221; Mitarbeiter als ein Hauptargument ins Feld. Wer das w&#246;rtlich nimmt, sitzt einem m&#246;glicherweise verh&#228;ngnisvollen Irrtum auf.
Solide durchwachsen
Nat&#252;rlich m&#246;chte ich nicht pauschal missverstanden werden: Die fachliche Ausbildung russischer Ingenieure, Lehrer oder &#196;rzte ist nicht schlecht, aber eben auch nicht mehr. Auch meine Mitarbeiter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><center><script type="text/javascript"><!--
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</script></center><br />
Wann immer Festredner den Investitionsstandort Russland preisen, f&#252;hren sie den Standortfaktor &#8220;hervorragend ausgebildeter&#8221; Mitarbeiter als ein Hauptargument ins Feld. Wer das w&#246;rtlich nimmt, sitzt einem m&#246;glicherweise verh&#228;ngnisvollen Irrtum auf.</p>
<p><strong>Solide durchwachsen</strong></p>
<p>Nat&#252;rlich m&#246;chte ich nicht pauschal missverstanden werden: Die fachliche Ausbildung russischer Ingenieure, Lehrer oder &#196;rzte ist nicht schlecht, aber eben auch nicht mehr. Auch meine Mitarbeiter hatten &#252;berwiegend gl&#228;nzende Studienabschl&#252;sse. Nur half ein &#8220;Rotes Diplom&#8221; etwa als Programmierer im Gesch&#228;ftsalltag oft nicht wirklich weiter. Positiv registriert habe ich indes oft das redliche Bem&#252;hen, solche Defizite durch Einsatz und &#220;berstunden wettzumachen.</p>
<blockquote><p>Betriebswirtschaftliche Studieng&#228;nge im westlichen Verst&#228;ndnis gibt es in Russland &#252;berhaupt erst seit Mitte der 1990er Jahre, und denen das Etikett &#8220;hervorragend&#8221; anzuheften, halte ich f&#252;r fahrl&#228;ssig.</p></blockquote>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=russiablue-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;asins=3593382318&#038;fc1=5C5C5C&#038;IS2=1&#038;lt1=_blank&#038;m=amazon&#038;lc1=0000FF&#038;bc1=FFFFFF&#038;bg1=FFFFFF&#038;f=ifr" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="left"></iframe>H&#228;ufig scheint bei Absolventen solcher Studienrichtungen noch das sowjetische Studiensystem durch: hochtheoretische Methodologie und Auswendiglernen ohne Praxisbezug und folglich ohne Praxisnutzen. Das stellt den Arbeitgeber, der, sagen wir, einen Berufseinsteiger mit dem sch&#246;n klingenden Abschluss &#8220;Finanzmanager mit Vertiefungsrichtung Krisenmanagement&#8221; einstellt, dann doch vor Probleme. Denn von Finanzmanagement versteht der junge Mensch u.U. gar nichts.</p>
<p>Und im Bereich der typischen Ausbildungsberufe - Schlosser, Maurer, Elektriker, Installateure usw. - bewegt sich Russland qualitativ auf Dritte-Welt-Niveau. Diese Erfahrung macht hier jeder, der einmal seine Wohnung hat renovieren lassen.</p>
<p><strong>Jede Menge Talent</strong></p>
<p>Die Rede ist hier auch ausdr&#252;cklich von Ausbildung, nicht von Talent oder Begabung. In diesem Bereich sehe ich keine Unterschiede zu westlichen Mitarbeitern. Geradezu sprichw&#246;rtlich ist etwa das russische Improvisationstalent. Und der offenbar hochbegabte Google-Gr&#252;nder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sergey_Brin" target="_new">Sergey Brin</a> stammt aus Moskau. Seine Ausbildung indes erhielt er in den USA.</p>
<p><strong>Trend zur Verbesserung</strong></p>
<p>Es sei andererseits nicht verschwiegen, dass sich die Dinge verbessern, etwa durch internationale » Austauschprogramme. Auch hat die zunehmende Pr&#228;senz internationaler Firmen im Land viel zur Anhebung der Qualifikationslevel beigetragen. Insbesondere britische und amerikanische Gro&#223;konzerne mit ihrer ausgepr&#228;gten Trainingskultur d&#252;rften hier bleibende Spuren hinterlassen haben. Und inzwischen kann man auch an mancher russischen Universit&#228;t oder Hochschule einen international anerkannten Abschluss als MBA (Master of Business Administration) erwerben.</p>
<p><strong>Quantitativ stimmt&#8217;s</strong></p>
<p>Das Ausbildungsargument taugt nach meiner Erfahrung vielleicht in einer quantitativen Betrachtung. Tats&#228;chlich ist es in Russland so, dass der Anteil junger Menschen, die nach der Schule ein Studium aufnehmen, deutlich h&#246;her ist, als in westlichen L&#228;ndern. Folglich haben wesentlich mehr Berufseinsteiger einen Hochschulabschluss, wenn auch die wenigsten von ihnen einen in der Fachrichtung, mit der sie dann ihr Geld verdienen. </p>
<blockquote><p>In jedem Fall werden Sie es in Russland immer mit Organisationen zu tun haben, die auch in den mittleren und unteren Positionen mit Akademikern besetzt sind.</p></blockquote>
<p>Das ist gut f&#252;r die Unternehmenskultur, aber nicht immer problemlos in bezug auf Unter- oder &#220;berforderung bzw. eine realistische Selbstwahrnehmung. Einige halten sich kraft ihres Examens stets zu H&#246;herem berufen, obwohl es trotz Examens gerade f&#252;r die Einstiegsposition reicht.</p>
<p><strong>Profilkonflikt</strong></p>
<p>So fanden sich auch in meinen Organisationen immer wieder die exotischsten Profile: Ozeanologen, Piloten und Ingenieure f&#252;r Haushaltstechnik zum Beispiel. Einer meiner Buchhalter arbeitete fr&#252;her gar in dem Programmiererteam, das die Software f&#252;r den ersten und einzigen (unbemannten) Flug der sowjetischen Raumf&#228;hre &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Buran_(Raumfahrtprogramm)" target="_new">Buran</a>&#8221; entwickelt hatte. Wen es interessiert: Die Abweichung vom vorausberechneten Aufsetzpunkt bei der automatischen Landung betrug ganze 15 Zentimeter! Und eine meiner Key-Account-Managerinnen heute ist promovierte Mathematikerin. Diese Aufz&#228;hlung lie&#223;e sich beliebig fortsetzen.</p>
<p><strong>Hauptsache Diplom</strong></p>
<p>Mir ist aufgefallen, dass viele nur studieren, um einen Hochschulabschluss (<em>высшее образование</em>) vorweisen zu k&#246;nnen. Teilweise wissen sie schon w&#228;hrend des Studiums, dass sie nie in diesem Bereich arbeiten werden. Meiner Meinung nach ist das schlecht f&#252;r die Studienmotivation, und doch ist es ungeheuer verbreitet. Mitunter spielt hierf&#252;r auch der Ehrgeiz der Eltern eine Rolle, die ihr Kind unbedingt an dieser einen Fakult&#228;t sehen wollen und ein Verm&#246;gen f&#252;r Repetitoren oder werthaltige Gef&#228;lligkeiten an die Aufnahmepr&#252;fungskommission ausgeben. F&#252;r m&#228;nnliche Jugendliche bedeutet die Aufnahme eines Studiums mit etwas Geschick die Zur&#252;ckstellung (<em>отсрочка от службы в армии</em>) und mit etwas Gl&#252;ck die v&#246;llige Freistellung (<em>освобождение от службы в армии</em>) vom <a href="http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,398561,00.html" target="_new">ungeliebten Wehrdienst</a> - auch im modernen Russland ein hochaktuelles Thema. Und schlie&#223;lich gilt eine gew&#246;hnliche Berufsausbildung in Russland nicht als ausreichend prestige- und statustr&#228;chtig, so dass in der Regel (irgend) ein Hochschulstudium angestrebt wird.</p>
<p><strong>Karriere auf Umwegen</strong></p>
<p>Die Folgen zeigen sich dann beim Interview. Der Kandidat hat eines studiert und m&#246;chte etwas v&#246;llig anderes arbeiten. </p>
<blockquote><p>In vielen Bereichen kommt die Eignung f&#252;r die angestrebte Position oft nicht aus der in Deutschland stets vorausgesetzten &#8220;einschl&#228;gigen Ausbildung&#8221;, sondern aus eventuell vorhandener Berufserfahrung oder einer starken Motivation.</p></blockquote>
<p>Da ich selbst einst als Quereinsteiger begonnen habe, stand und stehe ich solchen Menschen grunds&#228;tzlich positiv gegen&#252;ber. Mit den meisten von ihnen habe ich gute Erfahrungen gemacht und der eine oder andere hat sp&#228;ter in anderen Firmen gro&#223; Karriere gemacht.</p>
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		<title>Im Mittelpunkt steht der Mensch</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Nov 2008 09:48:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe-Jens Karl</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Job und Business]]></category>

		<category><![CDATA[Personalführung]]></category>

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		<description><![CDATA[Das zentrale und f&#252;r den Gesch&#228;ftserfolg in Russland entscheidende Thema sind die richtigen Mitarbeiter. In mehr als einem Jahrzehnt Personalf&#252;hrung vor Ort habe ich eine sehr gro&#223;e Anzahl russischer Mitarbeiter rekrutiert, interviewt, eingestellt und auch entlassen. Ich gehe nicht so weit zu sagen, dass meine Erfahrungen allgemeing&#252;ltig sind. Allein aufgrund der Vielzahl der Vorg&#228;nge, sprich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=russiablue-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;asins=3579065084&#038;fc1=000000&#038;IS2=1&#038;lt1=_blank&#038;m=amazon&#038;lc1=0000FF&#038;bc1=FFFFFF&#038;bg1=FFFFFF&#038;f=ifr" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="left"></iframe>Das zentrale und f&#252;r den Gesch&#228;ftserfolg in Russland entscheidende Thema sind die richtigen Mitarbeiter. In mehr als einem Jahrzehnt Personalf&#252;hrung vor Ort habe ich eine sehr gro&#223;e Anzahl russischer Mitarbeiter rekrutiert, interviewt, eingestellt und auch entlassen. Ich gehe nicht so weit zu sagen, dass meine Erfahrungen allgemeing&#252;ltig sind. Allein aufgrund der Vielzahl der Vorg&#228;nge, sprich Mitarbeiter, die &#252;ber die Jahre &#8220;durch meine H&#228;nde&#8221; gingen, und der weitgehenden Kongruenz meiner Beobachtungen mit denen anderer Expats in F&#252;hrungsverantwortung halte ich sie zumindest zu einem erheblichen Teil f&#252;r verallgemeinerbar.</p>
<p><strong>Der gro&#223;e kleine Unterschied</strong></p>
<p>Es kommt immer wieder vor, dass ich von Russen gefragt werde, worin sie sich denn meiner Meinung nach von Deutschen unterschieden. Und jedes Mal ertappe ich mich dabei, dass ich keine fertige Antwort parat habe. Das mag daran liegen, dass ich mir selbst diese Frage zu selten gestellt habe. Meistens fl&#252;chte ich mich dann in unverbindliche Formeln wie </p>
<blockquote><p>&#8220;Lasst uns doch die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund stellen&#8221;</p></blockquote>
<p>oder so &#228;hnlich. Nat&#252;rlich findet man, wenn man sich in die Frage vertieft, Unterschiede - auch gravierende - zwischen Russen und Deutschen, und einige liegen ja quasi an der Oberfl&#228;che. F&#252;r <strong>russiaBLUE</strong> habe ich das Thema dann doch einmal aufbereitet. Was dabei herausgekommen ist, lesen Sie unter » &#8220;<a href="http://magazin.uwekarl.de/?p=84">Russen und Deutsche</a>&#8220;.</p>
<p><strong>Seminare sind ja ganz nett</strong></p>
<blockquote><p>Im t&#228;glichen Miteinader spielen f&#252;r mich akademische Erw&#228;gungen zu interkulturellen Unterschieden eigentlich keine Rolle.</p></blockquote>
<p>Das hat auch damit zu tun, dass ich 1996 nicht v&#246;llig Russland- und Russenunerfahren hier eintraf. Aber auch f&#252;r den Manager ohne einschl&#228;gige Vorerfahrung sind all die sch&#246;nen Seminartheorien wertlos, wenn er nicht bereit ist, sich weitgehend auf das Land und seine Menschen einzulassen. Wer hier nach sechs Monaten den menschlichen Zugang zu seinen Mitarbeitern nicht findet, kann sich noch so m&#252;hen, er wird scheitern. Und das gilt ja auch nicht nur f&#252;r Russland.</p>
<p><strong>Aufeinander zugehen</strong></p>
<p>Wenn ich einen Rat geben m&#252;sste, w&#252;rde ich sagen, gehen Sie m&#246;glichst unvoreingenommen auf die Leute zu. </p>
<blockquote><p>Vermeiden Sie als Chef Besserwisserei und &#220;berlegenheitsattit&#252;de, damit sich die Mitarbeiter nicht auf die f&#252;r sie bequeme Rolle des Befehlsempf&#228;ngers zur&#252;ckziehen.</p></blockquote>
<p>Russische Mitarbeiter haben ihre Besonderheiten. Nicht alle sind gravierend. Oft liegen sie in Details, Nuancen und auf den ersten Blick Nebens&#228;chlichem. Ich finde es bis heute spannend, diese Dinge zu entdecken und, wo m&#246;glich, bewu&#223;t zu nutzen.</p>
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		<title>Uwe-Jens Karl + Boris Blogitsch = russiaBLUE</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Nov 2008 21:06:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Uwe-Jens Karl</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Featured Articles]]></category>

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		<description><![CDATA[Als Deutscher heute in Russland zu arbeiten und zu leben, ist eigentlich nichts Besonderes. Allein in Moskau wird die Anzahl der st&#228;ndig hier lebenden Deutschen auf mehrere Zehntausend gesch&#228;tzt. Ich bin einer von ihnen.
Meine Erfahrungen hier k&#246;nnten sich zehntausendfach wiederholt haben. Ich habe Gr&#252;nde anzunehmen, dass dies so ist. Oder ihnen k&#246;nnte zehntausendfach widersprochen werden, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Deutscher heute in Russland zu arbeiten und zu leben, ist eigentlich nichts Besonderes. Allein in Moskau wird die Anzahl der st&#228;ndig hier lebenden Deutschen auf mehrere Zehntausend gesch&#228;tzt. Ich bin einer von ihnen.</p>
<p>Meine Erfahrungen hier k&#246;nnten sich zehntausendfach wiederholt haben. Ich habe Gr&#252;nde anzunehmen, dass dies so ist. Oder ihnen k&#246;nnte zehntausendfach widersprochen werden, was ich nicht glaube. In jedem Fall sind sie individuell und subjektiv und f&#252;r mich immer wieder einmalig.</p>
<p>Das Dutzend Jahre in Russland hat mich ver&#228;ndert. Es hat mich vorangebracht und mich besser gemacht. Es sind die neuen Einsichten und Einstellungen, f&#252;r die ich Russland dankbar sein werde, wenn ich irgendwann nach Deutschland zur&#252;ckkehre.</p>
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		<title>Die Krise hat den Gesch&#228;ftsalltag erreicht</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Oct 2008 09:33:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Boris Blogitsch</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Job und Business]]></category>

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Da werden Erinnerungen wach an den Crash von 1998: Die Regierung Kirijenko verk&#252;ndet die Zahlungsunf&#228;higkeit des russischen Staates und die russische Sprache ist um ein Wort reicher: Default. Buchst&#228;blich &#252;ber Nacht bricht das russische Finanzsystem zusammen. Der Rubel beginnt eine atemberaubende Talfahrt von damals etwa 5:1 zum Dollar auf das Niveau von 18:1. Importwaren verteuern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><center><script type="text/javascript"><!--
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Da werden Erinnerungen wach an den Crash von 1998: Die Regierung Kirijenko verk&#252;ndet die Zahlungsunf&#228;higkeit des russischen Staates und die russische Sprache ist um ein Wort reicher: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:Search?ns0=1&amp;search=default&amp;fulltext=Suche">Default</a>. Buchst&#228;blich &#252;ber Nacht bricht das russische Finanzsystem zusammen. Der Rubel beginnt eine atemberaubende Talfahrt von damals etwa 5:1 zum Dollar auf das Niveau von 18:1. Importwaren verteuern sich ebenso schnell um den Faktor 3 und meine damalige Firma muss sich aus dem Russlandgesch&#228;ft zur&#252;ckziehen. Die Krise 2008 ist - trotz gewisser Parallelen - eine andere.</p>
<p>Bis Anfang dieser Woche war ich noch geneigt, sie im Wesentlichen als eine von den Medien gesch&#252;rte Massenpsychose abzutun, denn irgenwie wollten sich keine sp&#252;rbaren Krisenfolgen in meinem Gesch&#228;ft einstellen.</p>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=russiablue-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;asins=3446418474&#038;fc1=000000&#038;IS2=1&#038;lt1=_blank&#038;m=amazon&#038;lc1=0000FF&#038;bc1=FFFFFF&#038;bg1=FFFFFF&#038;f=ifr" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="left"></iframe>Bis auf den Lkw-Hersteller Kamaz und ein paar Banken schien die russische Realwirtschaft &#252;berhaupt nicht betroffen. Eventuell noch ein paar Handelsketten, denen die Kreditlinien gesperrt wurden und die deshalb ihren Einkauf zur&#252;ckfahren mussten. Rohstoffproduzenten, deren abgest&#252;rzte Aktienkurse ihre Marktkapitalisierung und damit Kreditw&#252;rdigkeit gegen Null fahren lie&#223;en. Immobilienmakler, die wegen zunehmender Restriktionen bei der Hypothekenfinanzierung Kunden und Gesch&#228;ft einb&#252;&#223;ten. Autoh&#228;ndler, bei denen die Showrooms leer blieben, weil potenzielle K&#228;ufer keine Kredite mehr bekamen. Selbst ein eilig beschlossenes Gesetz, mit dem die Putin-Regierung private Bankeinlagen bis 700.000 Rubel (ca. 20.000 Euro) garantiert, wollte bei mir keine rechte Krisenstimmung aufkommen lassen.</p>
<p>Seit heute ist das anders. In meiner Firma wachsen seit dieser Woche nur noch die Lagerbest&#228;nde und &#252;berf&#228;lligen Forderungen. Der Absatz ist eingebrochen, weil die Kunden kein Geld mehr haben. Wir sind mittendrin.</p>
<p>Doch im Unterschied zu vor zehn Jahren ist da eine unerkl&#228;rliche Zuversicht, dass es diesmal glimpflich abgeht - dass die Kurse wieder anziehen, die Banken wieder Kredite geben, die Kunden wieder kaufen.</p>
<p>Und erste Anzeichen gibt es tats&#228;chlich: Der Rubel h&#228;lt sich tapfer gegen&#252;ber dem Dollar, auch wenn ihm stundenweise die Luft ausgeht, und der RTS (der russische DAX) bewegt sich mehrheitlich im hellgr&#252;nen Bereich.</p>
<p>Es bleibt eine gewisse Nervosit&#228;t&#8230;</p>
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		<title>Die 16 000 Rubel Taxifahrt</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Oct 2008 10:30:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Boris Blogitsch</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Leben in Russland]]></category>

		<category><![CDATA[restaurant]]></category>

		<category><![CDATA[taxi]]></category>

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		<description><![CDATA[Das nette &#8220;dining out&#8221; im Moskauer Nobel-Restaurant &#8220;Scandinavia&#8221; h&#228;tte fast noch ein b&#246;ses Ende genommen. Unser Taxifahrer telefonierte bereits mit seinem &#8220;Sicherheitsdienst&#8221;, weil wir seinen Preis nicht zahlen wollten. Lesen Sie hier, wie es dazu kommen konnte.
Der letzte Cognac ist getrunken, die Desertteller sind abger&#228;umt, als wir gegen 22.00 Uhr die Kellnerin bitten, uns ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das nette &#8220;dining out&#8221; im Moskauer Nobel-Restaurant <a href="http://www.scandinavia.ru/en/" target="_new">&#8220;Scandinavia&#8221;</a> h&#228;tte fast noch ein b&#246;ses Ende genommen. Unser Taxifahrer telefonierte bereits mit seinem &#8220;Sicherheitsdienst&#8221;, weil wir seinen Preis nicht zahlen wollten. Lesen Sie hier, wie es dazu kommen konnte.</p>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=russiablue-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;asins=3832791477&#038;fc1=000000&#038;IS2=1&#038;lt1=_blank&#038;m=amazon&#038;lc1=0000FF&#038;bc1=FFFFFF&#038;bg1=FFFFFF&#038;f=ifr" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="left"></iframe>Der letzte Cognac ist getrunken, die Desertteller sind abger&#228;umt, als wir gegen 22.00 Uhr die Kellnerin bitten, uns ein Taxi zu rufen. Die kommt wenig sp&#228;ter an unseren Tisch zur&#252;ck und erkundigt sich, ob wir auch ein Mercedes-Taxi nehmen w&#252;rden, alle anderen seien bis auf Weiteres ausgebucht. Wir bejahen, und nach 30 Minuten wird uns die Ankunft unseres Taxis gemeldet.</p>
<p>Vor dem Lokal erwartet uns eine zwar nicht mehr ganz neue aber tadellos gepflegte Mercedes S-Klasse mit Vollausstattung. F&#252;r alle F&#228;lle erkundigen wir uns nach dem zu erwartenden Fahrpreis. &#8220;Dreitausendf&#252;nfhundert die Stunde&#8221; kommt es knapp von unserem Fahrer zur&#252;ck, den unsere kleinliche deutsche Neugier sichtbar st&#246;rt. Da wir um diese Zeit mit h&#246;chstens 30 Minuten Fahrt bis nach Hause rechnen, geben wir unser OK und fahren los.</p>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=russiablue-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;asins=3937711708&#038;fc1=000000&#038;IS2=1&#038;lt1=_blank&#038;m=amazon&#038;lc1=0000FF&#038;bc1=FFFFFF&#038;bg1=FFFFFF&#038;f=ifr" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="right"></iframe>Tats&#228;chlich kommen wir nach 25 Minuten vor unserem Quartier an, und ich frage unseren Chauffeur, was ich ihm schulde. &#8220;Sechzehntausend&#8221;, lautet die wieder knappe Auskunft. Ich meine, mich verh&#246;rt zu haben, und frage nach &#8220;Tausendsechshundert?&#8221;. &#8220;Nein&#8221;, kommt es gedehnt und gelangweilt, &#8220;sechzehntausend - dreitausendf&#252;nfhundert die Stunde und vier Stunden Mindestnutzung!&#8221; Macht auch ohne Rechenfehler immer noch 14.000 Rubel (400 Euro) f&#252;r 25 Minuten Taxi fahren, was uns nat&#252;rlich einigerma&#223;en &#252;berteuert vorkommt.</p>
<p>Die nun folgende Auseinandersetzung mit unserem Kraftdroschkenlenker will ich nicht im Detail wiedergeben. Sie endet damit, dass er per Handy operative Unterst&#252;tzung von seinem &#8220;Sicherheitsdienst&#8221; anfordert, worauf wir den Wagen verlassen und ihm aus unserer Sicht faire 1.500 Rubel - das Doppelte des Fahrpreises eines regul&#228;ren Taxis - anbieten, die er, immer noch telefonierend, dann auch annimmt.</p>
<p>Wir h&#246;ren schon nicht mehr, was er uns nachruft, als wir die Sicherheitsschleuse zum Wohngebiet passieren. Irgendwie nochmal davongekommen, denken alle einhellig, und: </p>
<blockquote><p>Niemand bestellt in Moskau ein Taxi besser als man selbst.</p></blockquote>
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		<item>
		<title>Vorsicht: Die Germanwings-Abzocke mit dem &#220;bergep&#228;ck</title>
		<link>http://www.russiablue.de/?p=69</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Aug 2008 10:56:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Boris Blogitsch</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>

		<category><![CDATA[billigflieger]]></category>

		<category><![CDATA[fliegen]]></category>

		<category><![CDATA[reisen]]></category>

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		<description><![CDATA[Geschehen gestern auf dem Flughafen Berlin-Sch&#246;nefeld. Eine Familie mit zwei Kindern (davon zwei voll zahlende Flugg&#228;ste und ein Kleinkind) checkt f&#252;r den Flug nach Moskau-Vnukovo ein. Zwei Gep&#228;ckst&#252;cke sollen aufgegeben werden, nur eines davon war zuvor per Internet angemeldet worden. Das Germanwings-Personal verlangt f&#252;r das 20 kg schwere, nicht angemeldete Gep&#228;ckst&#252;ck den Zuschlag f&#252;r &#220;bergep&#228;ck, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Geschehen gestern auf dem Flughafen Berlin-Sch&#246;nefeld. Eine Familie mit zwei Kindern (davon zwei voll zahlende Flugg&#228;ste und ein Kleinkind) checkt f&#252;r den Flug nach Moskau-Vnukovo ein. Zwei Gep&#228;ckst&#252;cke sollen aufgegeben werden, nur eines davon war zuvor per Internet angemeldet worden. Das Germanwings-Personal verlangt f&#252;r das 20 kg schwere, nicht angemeldete Gep&#228;ckst&#252;ck den Zuschlag f&#252;r &#220;bergep&#228;ck, obwohl das Gesamtgewicht von 23 kg pro Fluggast nicht &#252;berschritten ist. Man beruft sich darauf, dass jedes nicht angemeldete Gep&#228;ckst&#252;ck &#220;bergep&#228;ck sei. Preis 140 Euro, mehr als das Flugticket. Nur ein lautstarker Auftritt am Schalter wendet die Zahlung und den Skandal ab. Andere, mehrheitlich russische Flugg&#228;ste lassen sich einsch&#252;chtern und zahlen f&#252;r ihr nicht angemeldetes Gep&#228;ck 7 Euro pro kg.</p>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=russiablue-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;asins=3833447427&#038;fc1=000000&#038;IS2=1&#038;lt1=_blank&#038;m=amazon&#038;lc1=0000FF&#038;bc1=FFFFFF&#038;bg1=FFFFFF&#038;f=ifr" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="left"></iframe>An dem Punkt stellt sich dem geneigten Vielflieger schon die Frage, wie lange der selbsternannte &#8220;Billigflieger&#8221; Germanwings noch vorhat die Welt zu veralbern</p>
<p>Gut, wir haben uns daran gew&#246;hnt, dass die Kreditkarte f&#252;r einen Germanwings-&#8221;Billigflug&#8221;, der f&#252;r 292 Dollar ausgelobt war, letztlich mit 421 Dollar belastet wird. (Den Preis bekommen Sie bei jeder regul&#228;ren Airline auch!)</p>
<p>OK, wir dr&#252;cken ein Auge zu, wenn uns das Gerammele und Gestauche der &#8220;freien Sitzplatzwahl&#8221; als &#8220;Service&#8221; verkauft wird. Man kann seinen Sitzplatz jetzt ja kostenpflichtig f&#252;r 8 Euro vorher reservieren.</p>
<p>Naja, und auch dass man f&#252;r sein Gep&#228;ck jetzt einen Gep&#228;ckzuschlag zahlen muss, kann man mit viel gutem Willen auf die hohen Treibstoffpreise schieben. Oder man fliegt eben ohne Koffer.</p>
<p>Aber die Dreistheit, mit der einem teures &#220;bergep&#228;ckt in Rechnung gestellt wird, ohne dass die Gewichtsgrenze &#252;berschritten w&#228;re, und nur, weil die Tasche nicht vorher per Internet angemeldet war, schl&#228;gt dem Fass den Boden aus.</p>
<p>Dies ist eine Warnung vor den Abzock-Praktiken bei Germanwings. Wann wird hier wettbewerbsrechtlich durchgegriffen?</p>
<p>Hier der relevante Passus aus den aktuellen ABB (Allgemeinen Bef&#246;rderungsbedingungen) von Germanwings. Sehen Sie eine Grundlage f&#252;r die Berechnung von &#220;bergep&#228;ck f&#252;r ein nicht angemeldetes Gep&#228;ckst&#252;ck?</p>
<blockquote><p>8.2 Entgeltpflichtiges Gep&#228;ck<br />
8.2.1 Gep&#228;ck, welches nicht als Freigep&#228;ck gilt, insbesondere aufgrund seines Gewichts, seiner Sperrigkeit oder sonstiger Erschwernisse bei der Bef&#246;rderung, kann nur gegen ein zus&#228;tzliches Entgelt bef&#246;rdert werden. Dies ist im Einzelnen: 8.2.1.1 Gep&#228;ckzuschlag: F&#252;r jedes aufzugebende Gep&#228;ckst&#252;ck erheben wir einen Gep&#228;ckzuschlag. Der Gep&#228;ckzuschlag erm&#228;&#223;igt sich um die H&#228;lfte (erm&#228;&#223;igter Gep&#228;ckzuschlag), wenn Sie die zuschlagpflichtigen Gep&#228;ckst&#252;cke bis sp&#228;testens zwei Stunden vor der flugplanm&#228;&#223;igen Abflugzeit entweder Online &#252;ber das Internet oder telefonisch &#252;ber das Germanwings Call-Center verbindlich anmelden und den daf&#252;r anfallenden Zuschlag auf dem dabei angegebenen Zahlungsweg entrichten.<br />
<b>8.2.1.2 &#220;bergep&#228;ckzuschlag: Neben dem Gep&#228;ckzuschlag erheben wir einen Zuschlag f&#252;r &#220;bergep&#228;ck, wenn das Gesamtgewicht des aufgegebenen Gep&#228;cks 23 kg pro Fluggast &#252;bersteigt.</b> Die H&#246;he des Zuschlags je Kilogramm &#220;bergep&#228;ck entnehmen Sie bitte ebenfalls unserer Entgeltordnung (Artikel 17 „xbag“). Ein Anspruch auf die Bef&#246;rderung von &#220;bergep&#228;ck besteht nicht. In der Regel werden wir jedoch im Rahmen unser Kapazit&#228;ten aufzugebendes Gep&#228;ck bis zu einem Maximalgewicht von 50 kg pro Fluggast akzeptieren, wenn das einzelne Gep&#228;ckst&#252;ck nicht schwerer als 32 Kilogramm ist. Im Einzelfall ist eine vorherige Absprache mit uns erforderlich. Kleinkinder unter zwei Jahren, die gem&#228;&#223; Artikel 7.3.2 gegen eine pauschale Servicegeb&#252;hr bef&#246;rdert werden, gelten nicht als Fluggast im Sinne von Satz 1 und Satz 4 und bleiben bei der Ermittlung der dort<br />
genannten Gewichtsgrenzen unber&#252;cksichtigt.<br />
8.2.1.3 Sperrgep&#228;ckzuschlag: F&#252;r die Bef&#246;rderung von aufgegebenem Gep&#228;ck, welches nicht in Reisekoffern oder &#228;hnlich kompakten Beh&#228;ltnissen verstaut ist, erheben wir anstelle des Gep&#228;ckzuschlags nach Art. 8.2.1.1 und des &#220;bergep&#228;ckzuschlags nach Artikel 8.2.1.2 besondere Zuschl&#228;ge. Ein Anspruch auf die Bef&#246;rderung von Sperrgep&#228;ck besteht nicht. In der Regel werden wir jedoch im Rahmen unser Kapazit&#228;ten aufzugebendes Sperrgep&#228;ck akzeptieren, wenn dieses der[...]</p></blockquote>
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